Wer ist Ihr/Ihre Stuttgarter/in des Jahres 2022?

Von Samstag, 28. Januar bis Dienstag, 7. Februar 2023: Wählen Sie Ihre/n Stuttgarter/in des Jahres 2022.
Ihre Stimme zählt – machen Sie mit!

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„CSD Stuttgart“

Toleranz ist anders: Noch nie erfuhr die Community aus Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen so viel Hetze, Hass und Gewalt wie 2022. Diese traurige Bilanz zieht Detlef Raasch vom Verein Christopher Street Day Stuttgart (CSD). Seit 22 Jahren engagiert er sich im Verein für die LSBTTIQ-Bewegung, kämpft für Respekt gegenüber queeren Menschen und für deren gesetzliche Gleichstellung. Das beginnt beim Recht, genauso wie Heterosexuelle, Blut spenden zu dürfen. Raasch hat auch immer ein Ohr und einen Unterschlupf für Jugendliche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung von den Eltern aus ihrem Zuhause rausgeworfen wurden, und setzt sich für die Integration ausländischer Menschen ein. „Zu einer gleichberechtigten Gesellschaft gehören queere Menschen mit dazu“, das ist sein Ziel.

„Harry’s Bude“

Unmengen Lebensmittel landen im Müll. Harry Pfau sammelt seit 25 Jahren Brot, Gemüse, Obst und Milchprodukte, die sonst in der Tonne landen würden, und verteilt sie von Montag bis Samstag zwischen 10 und 17 Uhr an Menschen, die sich kaum etwas zu essen kaufen können. Harrys Bude vor der Marienkirche in der Tübinger Straße ist heute eine Institution, weil sich dort Bedürftige mit Essen eindecken können. „Wir sind ein richtiger Betrieb und werden von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert“, berichtet Pfau, der selbst den Hunger kennt, weil er früher auf der Straße gelebt hat. Das Team sammelt täglich Lebensmittelspenden aus Supermärkten, von Bäckereien und vom Wochenmarkt ein.

„Hospiz St. Martin“

Sterben gehört zum Leben dazu – Sabine Novak hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu begleiten, die am Ende ihres Weges angekommen sind: „Ich gehe zu ihnen dorthin, wo sie sind: zu Hause oder im Hospiz.“ Sie hört ihnen zu und tröstet die Angehörigen. In ihrer eigenen Familie hat sie Verwandte auf ihrem letzten Gang begleitet und hat sich entschlossen, diese schwere Aufgabe als Ehrenamt zu übernehmen. „Ich möchte zeigen, dass das Hospiz nicht nur ein dunkler Ort ist“, erklärt sie. Und für eine freundliche Atmosphäre im Hospiz sorgt sie auch ganz praktisch mit Blumenarrangements. Neben der Sterbebegleitung ist sie ehrenamtlich in der Geschäftsführung der katholischen Hospizstiftung tätig und leitet Gesprächskreise und Fortbildungen.

„KIT – Kriseninterventionsteam der Johanniter-Unfall-Hilfe in Stuttgart“

Es ist der Albtraum schlechthin: Wenn die Polizei vor der Tür steht und eine Todesnachricht überbringt oder wenn das Baby in seinem Bettchen nicht mehr atmet. Ralf Oberfell betreut mit seinem Kriseninterventionsteam (Kit) Menschen in diesen schrecklichen Ausnahmesituationen. 15 geschulte Ehrenamtliche sind rund um die Uhr rufbereit.  „Den Menschen einfach zuhören, das ist das Wichtigste“, weiß Oberfell. Auch praktische Hilfe bietet das Kit an: Es vermittelt Betreuungsangebote für die Angehörigen und benachrichtigt deren Freunde und Verwandte.  Während seines Zivildienstes war Oberfell Rettungssanitäter. Dass die Angehörigen in ihrem Leid allein sind, nachdem sie mit einer schlimmen Nachricht konfrontiert sind, brachte ihn dazu, ein Team zusammenzustellen, das in diesen Fällen einsatzbereit ist. Hinweis in eigener Sache: Im Video über das Kit sind die Szenen gestellt.

„Kinderfußballakademie – MTV Stuttgart“

„Ohne das Ehrenamt ist der Ball ohne Luft“, das weiß Georgios Metaxarakis, und als Leiter der Kinderfußball-Akademie handelt er selbst danach – seit vielen Jahren steht er mit Kindern auf dem Platz und genauso wichtig wie das Training mit dem Ball ist ihm die integrative Wirkung des Sports. „Inklusion ist wichtig“, erklärt er und setzt das Konzept in die Tat um. Jedes Kind, egal wie fit es ist, egal ob es eine Behinderung hat, egal woher es kommt, kann hier kicken. Metaxarakis hat in Brasilien mit Straßenkindern gearbeitet, und die Kinderfußballakademie des MTV ist ihm ein Herzensprojekt. Rassismus und Pöbeleien haben hier keinen Platz. Alle Kinder werden gefördert, und manches wächst dabei über sich hinaus.

„Kultur für Alle Stuttgart“

Kultur ist ein Lebensmittel. „Sie ist kein Luxus. Alle Menschen brauchen sie. Sie gehört zum gesellschaftlichen Leben dazu“, das ist die Überzeugung von Gudrun Hähnel. Sie vernetzt Kulturveranstalter und Menschen, die sich deren Angebote nicht leisten können. 2009 wurde der Verein Kultur für alle gegründet. Hähnel ist seit zehn Jahren im Vorstand. 65 000 Menschen hat der Verein seitdem erreicht. 100 Kulturpartner geben dank ihrer unermüdlichen Werbung für den Verein kostenlos Karten für Menschen mit schmalem Geldbeutel ab. Auch die Stadt zog mit der Bonuscard plus Kultur nach.

„Leseohren“

„Pippi. . . wer?“ Bei Weitem nicht mehr jedes Kind kennt den Namen der schrägen Heldin von Astrid Lindgren. Manfred Schmitz will das ändern. Er ist ein unermüdlicher Vorleser beim Verein Leseohren. Er zeigt Kindern und Jugendlichen die anderen Welten, die sich zwischen Buchdeckeln befinden. „Das freut die Kinder, und das freut mich“, sagt er. Seitdem er im Ruhestand ist, wirbt er für das Buch in Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen. „Das Ziel ist es, ins Gespräch zu kommen.“ Deshalb ermutigt er Jugendliche, selbst Texte auszusuchen und vorzulesen, um gemeinsam herauszufinden, was sie daran berührt.

„Naturfreundegruppe Untertürkheim-Luginsland“

Die Naturfreunde-Gruppe Untertürkheim-Luginsland ist wie eine große Familie. Das ist das Verdienst von Rolf Münzmay. Mit jetzt 92 Jahren stemmt er das 14-tägliche Kulturprogramm: „Wir haben mal einen Vortrag über Demenz gehabt, dann einen über Plastik, und zwischendurch haben wir auch mal einen Film da“, umreißt er das Konzept. Seit gut 30 Jahren steckt er seine Energie in das Programm: sucht nach geeigneten Themen und den passenden Referenten und Referentinnen, die dazu eingeladen werden. Vor 75 Jahren begann Münzmay bei den Naturfreunden, und manche in seinem Publikum kennen ihn noch als Jugendleiter aus den 1950er Jahren. Jetzt macht ihm allerdings das Nachwuchsproblem etwas Sorgen, denn er würde zwischen den Senioren gerne auch jüngere Menschen begrüßen.

„Silberpfoten“

Ein Haustier ist ein Familienmitglied – und für machen alten oder behinderten Menschen ist es das einzige Wesen, das ihm die Treue hält. Umso tragischer ist es, wenn der Mensch so gebrechlich wird, dass er sich von seinem Haustier trennen muss. Dann leiden alle. Marcel Yousef hat für solche Fälle eine generationenübergreifende Nachbarschaftshilfe organisiert: Die Silberpfoten versorgen Haustiere von Menschen, die das selbst nicht mehr verlässlich können. „Wir hatten im Tierheim immer wieder Fälle, weil die Besitzer alt waren“, so kam Yousef auf die Idee, den Verein zu gründen, der heute mehr als 100 Tiere betreut.

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