Zehn Gewinner, zehn Preise, zehn Geschichten

Im Rahmen der Preisverleihung am 21. März 2016 in den Wagenhallen wurden zehn Frauen und Männer für ihr ehrenamtliches Engagement gewürdigt.

Die Stuttgarter des Jahres 2016

Jutta Schüle

Jutta Schüle

Im Jahr 2012 hat Jutta Schüle ein inklusives Tanzprojekt ins Leben gerufen. Inzwischen treffen sich die Menschen mit und ohne Handicap einmal im Monat sonntags im Cannstatter Tanzlokal Melodie. Die 57-Jährige ist Ansprechpartnerin und Organisatorin für das Projekt. Mittlerweile kommen aus ganz Stuttgart und darüber hinaus Teilnehmer. „Das Besondere ist, dass es sich um ein Angebot ohne große Hürden handelt“, erklärt Sylvia Schweizer, die Jutta Schüle als Stuttgarterin des Jahres vorgeschlagen hat. „Man kann einfach dabei sein, und niemand ist gezwungen zu tanzen.“ Es ist Jutta Schüle sogar gelungen, den Tänzer und Choreographen Eric Gauthier für ihre Arbeit zu gewinnen. Darüber hinaus organisiert sie regelmäßig Tanzworkshops in verschiedenen Stadtbezirken.


Margot Dorn

Die 65-Jährige engagiert sich seit sechs Jahren unter anderem beim Stuttgarter MedMobil. Sie und die anderen Mitarbeiter versorgen Menschen medizinisch, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen. An sieben Tagen in der Woche fährt das MedMobil an mehrere Brennpunkte der Stadt, zum Beispiel in den Schlosspark oder an die Paulinenbrücke. Jakob Reineke hat Margot Dorn als Stuttgarterin des Jahres vorgeschlagen. „Bei Frau Dorn fällt auf, dass sie den Mitmenschen, die unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden, empathisch und mit hoher Präsenz begegnet“, erklärt der Sozialarbeiter des MedMobils.

Margot Dorn

Dietmar Böhringer

Dietmar Böhringer

Er leitet den „etwas anderen Singkreis“, der aus blinden und sehbehinderten Sängerinnen und Sängern besteht. Der 71-Jährige ehemalige Lehrer an der Nikolauspflege ist kein ausgebildeter Musiklehrer, aber ein engagierter Pädagoge. Eine seiner ehemaligen Schülerinnen ist Sonja Prinz. Die 51-Jährige hat Dietmar Böhringer als Stuttgarter des Jahres vorgeschlagen. In ihrer Begründung heißt es unter anderem: „Es geht ihm in erster Linie um die Chorgemeinschaft und die gemeinsame Musik. Er als Person hält sich dabei bescheiden im Hintergrund.“ Ein weiteres Thema, das Dietmar Böhringer besonders am Herzen liegt, ist das barrierefreie Bauen von öffentlichen Einrichtungen.


Dominik Braun

Dominik Braun findet, dass der Preis Stuttgarter des Jahres eigentlich den Schülerinnen und Schülern gebührt, die in die Flüchtlingsunterkunft am Lautlinger Weg in Möhringen gehen und den jüngeren Kindern dort beim Deutschlernen und bei den Hausaufgaben helfen. Diese Bescheidenheit ist typisch für den sozial engagierten Verbindungslehrer am Königin-Charlotte-Gymnasium, der das Projekt initiiert hat. „Dominik Braun ist keiner, der im Rampenlicht stehen will. Aber er findet, dass man nicht immer nur reden kann, sondern auch etwas tun muss“, sagt die Elternsprecherin der Klasse 10a, Sabine Duvernoy. Sie hat Dominik Braun im Namen der ganzen Klasse als Stuttgarter des Jahres vorgeschlagen. Das Thema Flüchtlinge ist Dominik Braun seit jeher eine Herzensangelegenheit. Besonders stolz ist er darauf, dass bei einem Sponsorenlauf der Schule im vergangenen Jahr fast 10.000 Euro für das Heim am Lautlinger Weg zusammengekommen sind.

Dominik Braun

Christian Menzel, Dr. Stephan Rauscher und Dr. Simon Reichenauer

Christian Menzel, Dr. Stephan Rauscher und Dr. Simon Reichenauer

Das Ärzte-Team hat gemeinsam mit Kollegen eine Sprechstunde für Flüchtlinge im alten Reitstadion eingerichtet. Die drei jungen Ärzte arbeiten hauptberuflich in der Interdisziplinären Notaufnahme am Katharinenhospital. Als im vergangenen Sommer die Erstaufnahmeeinrichtungen in Stuttgart überfüllt waren, kamen immer mehr Patienten mit Erkältungen, Husten und kleinen Wunden in die Notaufnahme – die dafür eigentlich nicht gedacht ist. Daher beschlossen die drei Ärzte spontan, vor Ort zu helfen. Ein Team von etwa 20 freiwilligen Ärzten und Kinderärzten bietet Sprechstunden an. Die drei Initiatoren sind mittlerweile vor allem fürs Organisatorische zuständig. „Es hat mir gefallen, dass die Jungs praktisch tätig geworden sind und nicht auf Zuständigkeit von anderen verwiesen haben“, sagt Dr. Axel Enninger, der sie für den Preis Stuttgarter des Jahres vorgeschlagen hat.


Hans-Dieter Mechler

Er hat die Initiative VerA in der Region Stuttgart aufgebaut und begleitet mit seinem Team Auszubildende in schwierigen Situationen. Ende 2008 hatte der Senior Experten Service, eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Bonn, mit Wirtschaftsverbänden VerA aufgelegt. Jugendlichen, die mit dem Gedanken spielen, ihre Lehre abzubrechen, werden Senior-Experten zur Seite gestellt. Der Stuttgarter Hans-Dieter Mechler begann 2010 damit, das Netz in der Region Stuttgart zu verankern. Inzwischen hat der 71-Jährige 150 ehrenamtliche Begleiter im Rentenalter um sich geschart. Als Regionalkoordinator ist er unermüdlich im Einsatz, um die hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Fast 400 Azubis hat VerA bisher betreut, „in 80 Prozent der Fälle haben wir eine Lösung gefunden“, sagt Hans-Dieter Mechler.

Hans-Dieter Mechler

Petra Reichelt

Petra Reichelt

Die 61-Jährige setzt sich in der Second-Hand-Boutique PragA für langzeitarbeitslose Frauen ein. Für sie ist ehrenamtliche Arbeit selbstverständlich, ob im Kirchengemeinderat oder im Chor. Im Jahr 2001 hat sie gemeinsam mit dem damaligen Diakon Alfred Nicklaus verschiedene soziale Projekte initiiert. Es entstanden die Nachbarschaftshilfe, der Tauschring Nord-Pool und, wie sie sagt, „das größte, schwierigste, aber auch schönste Projekt“: die Second-Hand-Boutique PragA, die im September 2008 eröffnet wurde. Ziel ist es, dass die arbeitslosen Frauen auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance bekommen. Neben Petra Reichelt arbeiten zurzeit drei Langzeitarbeitslose sowie 16 Ehrenamtliche. Im PragA werden Kleider- und Sachspenden gesäubert, in der Nähwerkstatt wieder aufgepeppt und zu erschwinglichen Preisen verkauft. „Frau Reichelt bereitet den Boden für eine würdevolle Begegnung mit jenen, die glauben, ihre Würde verloren zu haben“, sagt Pfarrer Michael Heil von der Kirchengemeinde St. Georg, der sie für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen hat.


Roland Baur

Er ist seit beinahe 30 Jahren bei der Stuttgarter Aidshilfe engagiert. Roland Baur hat den Verein JES (Junkies, Ehemalige, Substituierte) mitbegründet, in dessen Bundesverband er mittlerweile im Vorstand sitzt. In der Begründung seines Paten heißt es: „Es ist genau eine solche Tätigkeit im Schatten der Gesellschaft und für einen Personenkreis, für den sich einzusetzen es keine Lorbeeren gibt.“ Jedes Jahr am 21. Juli organisiert Roland Baur eine Veranstaltung an der Gedenktafel für die verstorbenen Drogenabhängigen auf dem Karlsplatz.

Roland Baur

Tasman Scholpp

Tasman Scholpp

Das Ehepaar setzt sich auf vielfältige Weise für Obdachlose und Flüchtlinge in Stuttgart ein. Als Organisatoren der Benefizveranstaltung „Tischlein, deck‘ dich“ für die Vesperkirche sind sie vielen Stuttgartern bekannt. Nilgün Tasman schafft es dank ihrer guten Netzwerke immer wieder, Prominente zu kostenlosen Auftritten zu ermuntern. In sieben Jahren „Tischlein deck‘ dich“ sind 70.000 Euro für die gute Sache zusammengekommen. „Und wir stehen dafür ein, dass das Geld an die richtige Stelle kommt“, betont Scholpp. Nilgün Tasman hat drei Theaterstück geschrieben. Damit will sie einen Beitrag zur Integration leisten: Sie möchte Ängste vor dem Fremden abbauen und für Verständnis werben. Seit drei Jahren unterstützen die beiden zudem Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt. Für die Unterkunft an der Mercedesstraße sammeln sie unermüdlich Windeln, Babynahrung, Kinderwagen und mehr. Das Heim an der Tunzhofer Straße hat dank des Ehepaars jetzt zwei Spielzimmer. „Wir sind vom Glück geküsst“, sagt Hans Ulrich Scholpp, „deshalb wollen wir teilen.“


Julia Schäuble

Die heute 24-Jährige engagiert sich seit vier Jahren vor allem für demenzkranke Senioren im Gradmann Haus in Stuttgart-Kaltental. Julia Schäuble war zunächst in einer stationären Wohngruppe tätig. Dort lebten Menschen in der Endphase ihrer Demenz. „Das war teilweise sehr belastend“, schrieb Johanna Berner in ihrer Begründung, mit der sie ihre Freundin Julia zur Stuttgarterin des Jahres vorgeschlagen hat. Heute arbeitet Julia Schäuble in der Tagesbetreuung. Sie macht mit den Gästen – so werden die Patienten im Gradmann Haus genannt – Spaziergänge, spielt mit ihnen Karten oder Mensch-ärgere-dich-nicht. „Gerade weil auch immer mehr jüngere Menschen demenziell erkranken, braucht es Betreuer, die sich aktiv mit ihnen beschäftigen“, erklärt Johanna Berner.

Julia Schäuble

Die Stuttgarter des Jahres 2015

Radoslaw Pallarz

Radoslaw Pallarz

Als Musiker und Komponist organisiert Radoslaw Pallarz seit vielen Jahren ehrenamtlich in seiner Freizeit unvergessliche und beeindruckende Kinderkonzerte im Olgahospital. Dabei können schwer kranke Kinder, deren Familien sowie gesunde Kinder und alle Interessierten den Musikern zuhören. Radoslaw Pallarz tritt nicht nur als Organisator auf, sondern er bringt sich auch selbst musikalisch ein. Er schreibt Stücke und initiiert neue Projekte. Er hat Künstler, Orchester und Chöre bewegt, unentgeltlich im Olgahospital aufzutreten.


Jama Maqsudi

Seit 30 Jahren lebt Jama Maqsudi in Stuttgart. Fast genauso lange engagiert er sich für Flüchtlinge. Sein Mut gegenüber der Politik, sein Durchhaltevermögen im Engagement für die Flüchtlinge, sein Erfindergeist bei einem Afghanistan-Projekt sowie sein Sendungsbewusstsein machen ihn zu einem Stuttgarter des Jahres. Von Deutschland aus versucht er eine Brücke in seine ehemalige Heimat zu schlagen. Dafür hat er den Deutsch-Afghanischen Flüchtlingsverein gegründet. Mit Spenden hat Jama Maqsudi einen Kindergarten und eine Krankenstation bei Kabul aufgebaut und möchte so Kindern und Jugendlichen helfen.

Jama Maqsudi

Vanessa Fritz

Vanessa Fritz

Die 22-jährige ist seit ihrem 13. Lebensjahr ehrenamtlich aktiv und hat schon früh Jugendgruppen geleitet. Vanessa Fritz ist Botschafterin für die Aktion „Mitmachen Ehrensache – Jugendliche jobben für einen guten Zweck“. Bei dieser Aktion suchen sich Jugendliche einen Arbeitgeber und arbeiten einen Tag lang unentgeltlich. Das Geld spenden sie für regionale soziale Projekte, die von den Jugendlichen mitbestimmt werden. Vanessa Fritz hat eine Gabe, anderen zu helfen, sie in ihren jeweiligen Lebenslagen ernst zu nehmen und mit ihnen Lösungen für ihre Probleme zu finden.


Sieglinde Brändle

Die über 80-jährige Sieglinde Brändle arbeitet seit mehr als 40 Jahren ehrenamtlich im evangelischen Waldheim Degerloch. Sie steht im Sommer regelmäßig in der Küche und bereitet das Essen für mehrere hundert Kinder zu. Ihr Einsatz beschränkt sich nicht nur auf das Zubereiten von Mahlzeiten. Sieglinde Brändle ist auch für den täglichen Einkauf während der Waldheimzeit zuständig. Darüber hinaus hat sie selbstverständlich immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen ihrer Schützlinge.

Sieglinde Brändle

Doris Kretzschmar

Doris Kretzschmar

Im Jahr 2009 hat Doris Kretzschmar mit viel persönlichem Engagement die Unified Basketball-Mannschaft TV 89 Zuffenhausen ins Leben gerufen. Dort spielen Mannschaften mit und ohne geistigem Handicap in gemeinsamen Teams Basketball. Dies soll die Integration außerhalb von Behinderten-Einrichtungen fördern und ausbauen. Nach einem ersten Platz bei den Special Olympic National Games in München 2012 folgt 2015 ein ganz besonderes Ereignis für die Mannschaft rund um Doris Kretzschmar. Im Juli dürfen sie an den Special Olympics World Games in Los Angeles teilnehmen. Diese außerordentliche Inklusionsleistung ist nur durch das besondere Engagement von Doris Kretzschmar möglich geworden.


Peter Schad

Seit 15 Jahren versorgt der 48-jährige Peter Schad fast täglich abends bedürftige Familien mit Brot, Brötchen und Backwaren, die er zuvor bei örtlichen Bäckereien abgeholt hat. Die Bäcker überlassen ihm nach Ladenschluss die übrig gebliebenen Produkte. Außerdem versorgt Peter Schad viele Familien mit Kleidung, die er von Privatpersonen zur Verfügung gestellt bekommen hat. Peter Schad ist Schreiner. Seit seiner Ausbildung leistet er schwere körperliche Arbeit. Noch nie hat er sich auch nur einen Tag von seinem Ehrenamt frei genommen.

Peter Schad

Lotti und Enrico Giacomini

Lotti und Enrico Giacomini

Das Ehepaar Giacomini kümmert sich seit Jahren um die Bewohner des Generationenzentrums Kornhasen in Stuttgart-Wangen. Sie verbringen dort täglich mehrere Stunden. Sie kommen zum Spielen (meist Rommé oder Mensch-ärgere-dich-nicht); sie holen die weniger mobilen Bewohner zu Veranstaltungen ab; sie machen mit ihnen Ausflüge; sie singen mit ihnen, und sie sind bei der Sitzgymnastik dabei. Das Entscheidende aber ist: Sie sind da, haben für alle ein Lächeln und hören zu. Das Schwierigste an ihrer Arbeit ist, so finden die beiden, der Verlust guter Freunde, die sie im Generationenhaus gefunden haben. Mittlerweile sind Lotti und Enrico Giacomini im Generationenzentrum eine Institution.


Barbara Hürttle

Seit fast 20 Jahren betreut die 63-jährige Barbara Hürttle Prostituierte im Café la Strada. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Café ein Rückzugsort für die Frauen im Leonhardsviertel geworden ist. Sie hat für die Einrichtung und die Ausstattung des Cafés gesorgt. Regelmäßig steht sie abends im Café la Strada und übernimmt Theken- und Küchendienste. Sie hört den Frauen zu, versorgt sie mit den nötigsten Dingen und versucht ihnen Achtung und Anerkennung entgegenzubringen. Seit Jahren organisiert und gestaltet sie eine Weihnachtsfeier im Café. Sie dekoriert dann die Räume und kümmert sich um die Geschenke für die Prostituierten und Stricher.

Barbara Hürttle

Gudrun Nitsch

Gudrun Nitsch

Die pensionierte Lehrerin Gudrun Nitsch engagiert sich seit vielen Jahren unter anderem für die Integration von Flüchtlingen in Vaihingen. Als 1989 die erste Unterkunft eröffnet wurde, gründete sie den ersten Helferkreis. Seit dieser Zeit unterstützt sie mit vielen Gleichgesinnten kontinuierlich Flüchtlinge aus vielen Ländern. Insbesondere kümmert sie sich um Kinder und Jugendliche – vom Kindergarten bis zur Ausbildung. Darüber hinaus fördert und organisiert sie ein System von Patenschaften. Als Mitte September 2013 wieder eine große Flüchtlingsunterkunft in Vaihingen eröffnet wurde, war Gudrun Nitsch sofort dabei. Aus dem Stand organisierte sie rund 50 Mitstreiter, die sich ehrenamtlich für die in der Unterkunft lebenden Menschen einsetzten. Dazu gehören auch Kennenlern-Veranstaltungen mit den Nachbarn im näheren Umkreis um Berührungsängste abzubauen.


Alfred Weckherlin

Der pensionierte Lehrer engagiert sich seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof. Ohne Berührungsängste und mit Stolz springt er gern spontan ein, wenn Not am Mann ist. Er hilft ausländischen Bürgern, in dem teils unübersichtlichen Bahnhof das richtige Gleis zu finden. Manche Menschen kommen auch nur für eine Tasse Tee in den blauen Container am Bahnsteig 16. Obdachlose und Flüchtlinge werden mit dem Nötigsten versorgt. Unter anderem begleitet Alfred Weckherlin allein reisende Kinder auf ihrem Weg durch Deutschland. Er will – so sagt er – etwas zurückgeben. Er ist dankbar, einen sicheren Beruf gehabt und heute ein gutes Auskommen zu haben.

Alfred Weckherlin

Die Stuttgarter des Jahres 2014

Bastelkreis Bad-Cannstatt

Bastelkreis Bad-Cannstatt

Sie häkeln, nähen, sticken, lachen und erzählen: Wenn sich die neun Frauen des Bad Cannstatter Bastelkreises für krebskranke Kinder alle zwei Wochen treffen, glühen die Stricknadeln. Die Runde um Gisela Kircher besteht schon über 25 Jahre. Seit 1998 kamen durch den Erlös der Mützen, Schals und Socken rund 135.000 Euro zusammen. Im Herbst und Winter sind die Frauen mit Verkaufsständen im Olgäle, im Katharinenhospital und in der Altenwohnanlage am Lindenbachsee aktiv. Weil Prof. Dr. Stefan Nägele und Cornelia Völklein vom Förderkreis krebskranke Kinder e.V. noch heute so angetan von dem Engagement sind, hat er den Bastelkreis für den Preis vorgeschlagen.


Martin Kluck

Angefangen hat alles mit Abigail, einem 7-jährigen Mädchen aus Tansania, das seinem Grundschullehrer zum Abschied einen Liebesbrief mit einer Zeichnung schenkte. Der ehrenamtliche Lehrer war Martin Kluck, der 2009 ein halbes Jahr in einer Schule in Tansania gearbeitet hat. Die Zeichnung hat er sich als Andenken an die Zeit auf ein T-Shirt gedruckt. Daraus ist das Modelabel Kipepeo (swahili = Schmetterling) entstanden. Alle Shirts und Pullover werden aus Bio-Baumwolle in Tansania hergestellt und dann in Stuttgart von ehrenamtlichen Helfern bedruckt. Die Motive sind immer Kinderzeichnungen von Abigails Schulkameraden. Von dem Erlös werden Schulgelder, Renovierungsarbeiten und Schulmaterialien bezahlt. Elisabeth Aichinger ist so beeindruckt von dem Engagement des 30-jährigen Stuttgarters, dass sie ihn für diesen Preis vorgeschlagen hat.

Martin Kluck

Teodora Djukaric

Teodora Djukaric

Party, Party, Party – nichts außer feiern und Facebook im Kopf haben, das werfen viele den Jugendlichen von heute vor. Dass daran nichts (oder zumindest nicht oft etwas) dran ist, beweist Teodora Djukaric. Die Abiturientin aus Stuttgart-Vaihingen engagiert sich seit der fünften Klasse im Sozialen Arbeitskreis am Fanny-Leicht-Gymnasium. Hier arbeiten Senioren und Schüler zusammen – beide Seiten profitieren voneinander. Seit der zehnten Klasse gibt Teodora Djukaric zwei Mal in der Woche einen Englischkurs für Senioren. Ruth Schneider, die Leiterin des Sozialen Arbeitskreises, hat Teodora Djukaric durch die Schulzeit begleitet und ist angetan von ihrem Engagement. Deshalb hat sie die Abiturientin für den Preis vorgeschlagen.


Barbara Spehr

Jugendliche, die auf der Straße leben, kommen oft aus schwierigen Verhältnissen und sind sehr misstrauisch gegenüber Erwachsenen. In der Anlaufstelle Schlupfwinkel bekommen Jugendliche ein warmes Essen und können sich aufwärmen – über ihre Probleme und ihre Vergangenheit reden wollen die meisten zunächst nicht. Der Ton ist manchmal rau. Und doch kommt Barbara Spehr seit zwanzig Jahren zwei Mal in der Woche in die Einrichtung, um die Sozialarbeiter zu unterstützen. Mal kocht sie mit den Jugendlichen, mal hört sie nur zu, mal wirbt sie bei Firmen um Spenden für die Einrichtung. Nicht nur für die Jugendlichen, auch für die Sozialarbeiter ist die 82-jährige Stuttgarterin eine große Unterstützung. Der Sozialarbeiter Thorsten Bauer hat sie deshalb für den Preis vorgeschlagen.

Barbara Spehr

Peter Georg Hues

Peter Georg Hues

Viele freuen sich auf mehr Zeit für ihre Hobbys, wenn sie in den Ruhestand gehen. Peter-Georg Hues war das zu wenig. Er wollte mehr machen, etwas Sinnvolles. Inzwischen geht er seit fast zehn Jahren zwei Mal in der Woche in die Justizvollzugsanstalt Stammheim und besucht Straftäter und Untersuchungshäftlinge. Mal spielen sie Tischtennis, Skat, Poker oder Schach – die Spieletreffs mit Peter-Georg Hues sind sehr beliebt. Manchmal brauchen die Inhaftierten einfach jemanden zum Reden. Es kam auch schon vor, dass Hues die Häftlinge zu Gerichtsterminen begleitet hat. Seine Frau Monika Hues-Srutek ist beeindruckt von dem Engagement und hat ihren Mann für den Preis vorgeschlagen.


Georg Gewargis

Der 71-jährige gebürtige Iraker kommt seit etwa 30 Jahren regelmäßig ins Hans-Rehn-Stift in Stuttgart Rohr, um sich um die alten Menschen zu kümmern. Jeder kennt Georg Gewargis, jeder freut sich, wenn er um die Ecke biegt, um seine Schützlinge im Rollstuhl zu ihrem Treffen zu geleiten. „Er ist immer da, wenn man ihn braucht“, sagt eine Bewohnerin. Jeden Nachmittag nach der Kaffeerunde spähen die Bewohner am Tisch in den langen Gang und halten Ausschau nach Georg. Regelmäßig und zuverlässig von Montag bis Freitag kommt er um 15 Uhr um die Ecke. Seine Patin Ruth Haas sagt über Georg Gewargis: „Er holt die Menschen aus der Isolation, nimmt ihnen die Einsamkeit, schenkt Ihnen menschliche Wärme und Nähe. Und vor allen Dingen: Er ist immer lustig und vergnügt.“

Georg Gewargis

Cara Nemelka

Cara Nemelka

Die 20-jährige Cara Nemelka machte sechs Jahre lang die Jugendarbeit in Stuttgart zu ihrem zeitraubenden Hobby. Sie nahm an stundenlangen Sitzungen teil, reiste zu Seminaren und Projekten, setzte sich für die Belange Jugendlicher ein und konnte zusammen mit anderen Gleichgesinnten etliches in Bewegung bringen. Als 20-jährige muss sie sich nach drei Amtsperioden von der Arbeit im Jugendrat verabschieden, doch auf Bundesebene will sie nach Ihrem Studium ihr Engagement fortsetzen. Ihre Patin und Freundin Anna Häcker sagt über Cara: „Sie ist sehr organisiert, kann sich gut ausdrücken und Leute überzeugen. Ich kann mir vorstellen, dass sie später Karriere in der Politik macht.“


Axel Clesle

Der 59-jährige Axel Clesle spielt seit zehn Jahren Theater – mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen. Er ist ein Zeitgenosse mit kreativen Facetten, ein Multitalent, wie man es nicht alle Tage trifft. Er schreibt Bücher und Gedichte, macht Theater, fotografiert, produziert Videos. Was ihn jedoch für den Preis „Stuttgarter des Jahres“ prädestiniert: das soziale Engagement für Jugendliche in Stuttgart mit und ohne Handicaps, nicht wenige auch mit Migrationshintergrund. Dafür hat er sein Sommertheater in das „HandiCaptions“-Festival umgewandelt. Clesles Pate Manfred Naegele sagt über ihn: „Mich fasziniert, dass er Theater mit behinderten Kindern und Jugendlichen macht, dass die mal stolz auf sich sein dürfen, dass sie nicht schief angeguckt werden, dass sie Beifall bekommen.“

Axel Clesle

Uwe Bodmer

Uwe Bodmer

Manchmal wird das Ehrenamt zu einem zweiten Beruf. Im Fall des 66-jährigen Uwe Bodmer vom Kinderschutzbund in Stuttgart scheint dies so zu sein. In den neun Jahren, die er sich ehrenamtlich für Menschen einsetzt, die Unterstützung brauchen, gab es unterschiedliche Aufgabengebiete. Eines ist jedoch immer gleich geblieben: Uwe Bodmer setzt sich vorbehaltlos und mit voller Kraft ein, wenn es um die Rechte von Kindern geht. Er setzt sich besonders für Familien ein, denen die Abschiebung droht. Kinder haben seiner Ansicht nach ein Recht auf Liebe und Geborgenheit. Sie haben ein Recht auf Ausbildung und auf Gesundheit. Bodmers Patin Ute Thon über ihn: „Er ist aufgeschlossen und tolerant, kann sich aber auch furchtbar über Ungerechtigkeiten aufregen, vor allem Kindern gegenüber.“


Renate Banse

Die 71-jährige Renate Banse ist seit 1973 beim SV Vaihingen als Schwimmlehrerin für behinderte und nichtbehinderte Kinder im Einsatz. Insgesamt hat sie mehr als 2.500 Kindern das Schwimmen beigebracht. An vier Tagen in der Woche steht sie im Vaihinger Rosentalbad am Beckenrand und gibt Hinweise und Ratschläge. Selbst ein indischer Student, der zuvor noch niemals im Wasser war, hat bei Renate Banse das Schwimmen gelernt. „Wichtig ist bei mir, dass jedes Kind Spaß hat, dass es sich richtig wohl im Wasser fühlt.“ Besonders setzt sich Renate Banse auch für Kinder mit körperlichen Einschränkungen ein. Ihre Patin Renate Reichenberger bewundert an ihr, „dass sie dieses Engagement mit den Kindern mit so viel Freude und Herzblut zeigt“.

Renate Banse